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Geschichte Dießen's

Die ältesten Funde menschlicher Ansiedlungen auf dem heutigen Gemeindegebiet stammen aus der Zeit um 1000 v. Chr. (Bronzebeil aus St. Georgen), es fehlen aber Spuren einer kontinuierlichen Besiedlung. Eine Römerstraße führte zweifellos durch das Gemeindegebiet, ihr genauer Verlauf konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden. In der näheren und weiteren Umgebung von Dießen wurden beachtliche Reste römischer Siedlungstätigkeit gefunden (Widdersberg, Aidenried, Pähl, Raisting, Utting). Mehrere „Reihengräberfriedhöfe“ (Bierdorf, Bischofsried, Obermühlhausen, Unterbeuern) bezeugen, dass das Dießener Gemeindegebiet zur Zeit der Völkerwanderung (470 n. Chr.) recht dicht bewohnt war.

Der Legende nach soll um 815 ein Graf Rathard in St. Georgen ein erstes Kloster gegründet haben, das 955 von den Ungarn zerstört und im 11. Jh. wiedererrichtet wurde. 1132 verlegten Otto und Berchtold von Dießen das Kloster an seinen heutigen Platz, wo bereits 1120 eine Marienkirche genannt ist, die Vorvorgängerin des heutigen Münsters.

Im Zuge dieser Klostergründung des Augustiner-Chorherrenstifts Dießen verlegten die Grafen von Dießen, die sich nach 1158 „von Andechs“ nannten, ihren Herrschaftssitz auf die Burgen von Andechs und Wolfratshausen. 1158 schenkten sie dem von ihnen gegründeten Stift ihren gesamten ausgedehnten Dießener Besitz mit allen Leibeigenen, Fischrechten und Wäldern. Diese umfangreiche Schenkung bildete die wirtschaftliche Basis für die spätere Grundherrschaft des Augustiner-Chorherrenstifts Dießen.

Der Ort Dießen, gegründet durch die Grafen von Dießen-Andechs und 1231 urkundlich als „civitas“ (Stadt) bezeichnet, sank 1248, als das Andechser Grafengeschlecht im Mannesstamm ausstarb, zu einem kleinen wittelsbachischen Landmarkt herab und wurde 1302 aufgrund der sogenannten „Mathildischen Schenkung“ vorübergehend sogar dem Augustiner-Chorherrenstift unterstellt. Die Wittelsbacher verlegten den Sitz ihrer neuen Verwaltung zuerst nach Pähl und etwas später nach Landsberg am Lech, so dass Dießen an Bedeutung verlor, ja als eigenständiges Gemeinwesen nicht mehr bestand. Erst 1326 erhielten die Dießener Bürger von König Ludwig dem Bayern alle Rechte und Freiheiten zurück. Seitdem war der Ort ein Markt mit eigenem Magistrat, aus dem die Bürgermeister gewählt wurden. Er unterstand einem herzoglichen, später kurfürstlichen Marktrichter, der zugleich See- und seit 1599 auch Forstrichter war. Im Gegenzug erhielt das Augustiner-Chorherrenstift die Niedergerichtsbarkeit über die dem Kloster gehörenden Dörfer St. Georgen, Wengen, Bischofsried, Engenried, Lachen, St. Alban, Bierdorf, Riederau und Rieden.

Fast 600 Jahre, bis zur Säkularisation von 1803, bestanden auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde zwei voneinander strikt getrennte Rechtsbereiche, der herzogliche bzw. kurfürstliche Bannmarkt Dießen und die Klosterhofmark Dießen-St. Georgen.

Den Bürgern von Dießen stand zur Klosterzeit kaum landwirtschaftlich nutzbarer Boden zur Verfügung, da die meisten Ländereien ringsum dem Kloster gehörten und von dessen Untertanen bearbeitet wurden. Aus diesem Grund mussten sich die Bürger auf andere, insbesondere gewerbliche Tätigkeiten verlegen. Schon seit dem Mittelalter gab es eine bedeutende Hafnerproduktion, im 15. und 16. Jh. nutzten Papiermühlen, Gerbereien und Färbereien, Kugel- und Hammerschmieden die Wasserkraft des Mühlbachs; seit dem 18. Jh. produzierten Zinngießereien und Glasereien. Bierbrauereien beherrschten bis ins späte 19. Jh. das Ortsbild und das Fischereigewerbe belieferte den Hof in München.

Wirtschaftlichen Aufschwung brachten die Einführung der Dampfschifffahrt (1877) und der Anschluss an die Eisenbahnlinie Weilheim-Augsburg (1898). Der Fremdenverkehr entwickelte sich und viele Gäste kamen zur Sommerfrische nach Dießen.

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