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Melodie der Farbklänge

77 Werkstätten bewerben sich um Diessener Keramikpreis 2017 – Sonderpreis für Empty Bowls

DIESSEN – Die Überraschung war groß: Der 17. Diessener Keramikpreis ist zu gleichen Teilen an drei Aussteller des Diessener Töpfermarktes verliehen worden. Bei der Preisverleihung im Diessener Traidtcasten hat die große Diessener Töpferfamilie begeistert applaudiert und die preisgewürdigten Mitaussteller hochleben lassen. Unter den 77 Bewerbungen hat die Jury Kati Jünger für ihr Vasenobjekt in Mosaik ausgezeichnet. Rachel Wood aus Wellbeck Notts in England überzeugte mit einem gedrehten und geklopften Großgefäß und Emil Heger aus Höhr-Grenzhausen mit farbharmonierenden Schalen-Sätzen.
 

„Es ist einer der schönsten Töpfermärkte geworden und ich bin sehr glücklich über die Zusammenstellung der Töpferwaren, die wir heuer auf dem Markt sehen können.“ Marktleiter Wolfgang Lösche strahlt in die Menge von Töpferinnen und Töpfern die im Diessener Traidtcasten mit Spannung erwarten, wer als Preisträger 2017 nachhause geht. Die Spannung steigt, als Lösche das Geheimnis mit der Ankündigung eröffnet, dass der Preis geteilt wird, was es bisher nur einmal gegeben hat. Das war beim ersten Mal: Beim Markt 2001 zum Thema „Das handwerkliche Geschirr“ ging der von Brennofen Rohde initiierte Preis an die Keramische Werkstatt Margartenhöhe Essen, an Katja Maechtel aus Nürnberg und Hans Fischer aus Passau.

In diesem Jahr hatten sich 77 Werkstätten zum Thema „Farbklänge der Keramik“ um den Diessener Keramikpreis beworben. Die Jury hätte sich mehrfach beraten und gerungen um Lösungen, „dass die Köpfe geraucht haben“, schildert Lösche die bis dato wohl aufwändigste und auch schwierigste Debatte um eine optimale Lösung.

Der Marktleiter beschreibt die preisgewürdigten Objekte. Rachel Woods gedrehtem und geklopftem Gefäß bestätigte er eine feine lebendige Oberflächenstruktur, die an eine Landschaft erinnert. Verstärkt werde dieser Eindruck durch eine sensible Malerei aus zarten Farbabstufungen in Weiß-, Grau-, Grün- und Brauntönen. Form und Farbe gehen eine Symbiose ein, die einen sensiblen Farbklang erzeugen. „Ihre Inspiration erfährt sie aus den Landschaften des Sherwood Forest in ihrer englischen Heimat und den Gesteinsformationen und der Farbigkeit des australischen Outbacks.“

Kati Jünger aus Laufen überrasche immer wieder mit neuen, ungewöhnlichen Farbkombinationen, hält Lösche fest. Die Keramikerin ist schon seit Jahren in Diessen am Markt und stellt heuer auch noch zusätzlich in einer Gemeinschaftsschau von vier Kunsthandwerkerinnen im Diessener Taubenturm aus. Ihre Vase, die sie für den Diessener Keramikpreis eingereicht hat, charkaterisiert Lösche als eine Komposition aus unzähligen kleinen Mosaik-Elementen, die auf eine zunächst gedrehte Form aufgelegt werden. Dunkle Flächen unterbrechen starke Farben und stechen deshalb besonders hervor. „Das vor- und zurückspringen der Mosaiksteinchen unterstreicht die Rhythmisierung und erzeugt eine Melodie der Farbklänge. – „In dieser Vase steckt nicht nur der Farbklang, sondern“ – so hat es eine Jurorin formuliert – „in der Vase steckt Musik.“

„Die Schalen-Sätze von Emil Heger zeichnen sich durch starke Präsenz aus“, stellt Lösche den dritten Preisträger und dessen Arbeiten vor. „In feinen Abstufungen entstehen geradezu Farbskalen aus natürlichen und zum Teil eingefärbten Tonen, die auch mit Pigmenten durchmischt sein können. Diese Schalensätze sind ein neuer Weg in Hegers keramischem Schaffen. Sie spielen mit den farbigen Eigenschaften der natürlichen Tonvorkommen des Westerwaldes und sind ein Spiegel der über Jahrtausende entstandenen und im Inneren verborgenen Farbpalette unserer Erde.“

SONDERPREIS FÜR EMPTY BOWLS

Bevor die Töpfer das bairische Büffet der Diessener Landfrauen mit größtem Genuss verzehren, ehren sie noch Andrea Wolbring (Keramikbedarf Baldham), die ebenfalls zum 17. Mal einen Sonderpreis von 500 Euro für den schönsten Stand oder eine besondere Aktion am Markt stiftet. Diesmal haben sich die Entscheidungsträger entschieden, das Töpferhilfswerk Empty Bowls zu unterstützen, das heuer zum dritten Mal am Diessener Töpfermarkt die Besucher magisch anzieht. Die Töpfer haben 1.000 leere Schalen gestiftet, die bereits am ersten Markttag verkauft, bzw. verlost worden sind. Das Stück für 15 Euro, gefüllt mit Suppe von Diessener Gastwirten dazu gespendet. Die Bayerische Politikerin Ruth Paulig aus Herrsching, die den Ertrag von Empty Bowls für ihr Hilfswerk "Promoting Africa" bekommt, ist überglücklich: „Dafür können wir vielen Menschen in Kenia helfen und sie lehren, ihre Lebensgrundlagen mit biologischem Landbau zu sichern.“ 

DIE JURY

Die Jury hat es nicht leicht gehabt und viele Stunden in ihr „hartes Ringen“ investiert, um gute Lösung. Es waren dies Christiane Wilhelm (Keramikpreisträgerin 2016), Dr. Josef Strasser (Neue Sammlung München), Dr. Angela Böck (Handwerkskammer für München und Oberbayern), Julie Metzdorf (Journalistin), Rudolf Strasser (Keramiksammler München).               Beate Bentele.


Rachel Wood, Helmut Heger und Kati Jünger (v.l.)
Gefäß von Rachel Wood
Vase von Kati Jünger
Schalen von Emil Heger
(alle Bilder von Anja Bach)

DOKU DER TÖNERNEN IDEEN

Marktgemeinde kauft Keramik – Dauerausstellung im Rathaus Diessen
DIESSEN  | Seitdem der Diessener Töpfermarkt vom westlichen Ortsrand ans Seeufer gewandert ist, seitdem gibt es auch den Diessener Keramikpreis. Gestiftet von Brennofen-Hersteller Helmut Rohde aus Prutting bei Rosenheim, ist der Preis im Jahr 2001 zum ersten Mal ausgelobt worden. Die Marktgemeinde Diessen kauft die Arbeiten der Preisträger an, um eine Samm­lung aufzubauen mit Werkstücken aus den besten Ateliers in Europa.

Alle bisher erworbenen Keramiken sind in einer Vitrinen-Schau im Diessener Rathaus ausgestellt. Zu besichtigen während der Öffnungszeiten der Behörde am Marktplatz 1



Lesen Sie nachstehend die Namen der Werkstätten, deren Schaffen bisher mit dem Diessener Keramikpreis (dotiert auf 3.000 Euro) gewürdigt worden sind: 

Preisträger 2001
Thema: Das handwerkliche Geschirr
- Keramische Werkstatt Margarethenhöhe aus Essen
- Katja Maechtel aus Nürnberg
- Hans Fischer aus Passau

Preisträger 2002
Thema: Keramikunikate - Erlesene Sammlerstücke
- Nandl Eska aus München 

Preisträger 2003
Thema: Formen - Glasuren - Dekore
- Uwe Löllmann aus Hilzingen
- Billa Reitzner aus München

Preisträger 2004
Thema: Keramikpaare
- Jochen Rüth aus Altisheim
- Roland Summer aus Velden/Österreich

Preisträger 2005
Thema: Vorratsgefäße
- André von Martens aus Gosda
- Bernard David aus Henrichemont/Frankreich
Anerkennungen ausgesprochen hat die Jury für die Arbeiten von
- Martin Möhwald aus Halle/Saale
- Acki Jürgens und Renate Schuck aus Dresden
- Fritz Renner aus Obergünzburg

Preisträger 2006
Thema: Geometrische Variationen in Form und Dekor
- Inke Lerch-Brodersen aus Bünsdorf
- Johannes Peters aus Freiburg
Eine Anerkennung ausgesprochen hat die Jury für die Arbeiten von
- Christine Wagner aus München

Preisträger 2007
Thema: Dialoge, Formen, Strukturen
- Enno Jäkel aus Köln
- Kap Sun-Hwang aus Kellinghusen

Preisträger 2008
Thema: Inspirationen aus der Natur
- Renate Balda aus Waldkirchen
- Sonngard Marcks aus Wolfenbüttel
Mit Anerkennungspreisen wurden gewürdigt
- Frank Schillo aus Rheinbach-Merzbach
- Juliane Herden aus Halle

Preisträger 2009
Thema: Schalen
- Susanne Altzweig aus Höhr-Grenzhausen

Preisträger 2010
Thema: Jubiläumsstücke für die keramische Schatzkammer
- Birgit Brühl aus Köln
- Markus Klausmann aus Waldkirch-Siensbach

Preisträger 2011
Thema: Vasen
- Elke Sada aus Hamburg
Mit Anerkennungen wurden gewürdigt
- Susanne Petzold aus Dresden
- Christiane Wilhelm aus München

Preisträger 2012
Thema: Einfach – gut
- Si Sook Kang aus Kellinghusen
- Maria Fischer aus Passau

Preisträger 2013
Thema: Keramisches Still-Leben
- Maria Volokhova aus Berlin
- Michael Cleff aus Mühlheim Ruhr

Preisträger 2014
Thema: Kreis und Kugel
- Sara Dario aus Cardoso di Stazzema | Italien

Preisträger 2015
Thema: Keramische Tafelfreuden
- Toni Maurer aus Kempten
- Kiho Kang aus Höhr-Grenzhausen

Preisträger 2016
Thema: Lieblingsstücke – Favoriten der Werkstätten
- Christiane Wilhelm aus München

Preisträger 2017
Thema: Farbklänge der Keramik
- Rachel Wood aus Wellbeck Notts/England
- Emil Heger aus Höhr-Grenzhausen/Deutschland
- Kati Jünger aus Laufen/Deutschland

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